Waldorf-Kindergarten: Anbau steht auf der Prioritätenliste der Stadt nicht ganz oben

Schwerte. Eine Erweiterung des Waldorf-Kindergartens am Südwall wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Die Stadtverwaltung schlägt vor, zunächst gemeinsam mit dem LWL-Landesjugendamt die unzureichende Küchensituation im Bestand zu lösen. Eine räumliche Erweiterung über einen Anbau für eine weitere Gruppe mit 25 Ü3-Plätzen soll der Auflage eines weiteren Förderprogramms vorbehalten sein. Mit diesem und anderen Vorschlägen wird sich der Jugendhilfeausschuss in seiner Sitzung am 20. Juni (17 Uhr Konferenzraum Stadtwerke, Liethstraße) befassen.

Rechtsansprüchen gerecht werden

Hintergrund ist der Rechtsanspruch von Eltern auf einen Betreuungsplatz für über einjährige Kinder in der Stadt Schwerte. Die Stadtverwaltung schreibt hier ihre Hausaufgaben ständig fort. Dabei hat sie Vorhaben priorisiert. Dazu gehört aber nicht der Antrag des Vereins zur Förderung der Waldorfpädagogik auf den Anbau einer vierten Gruppe und von Küchen- und Personalräumen. Weil die in Aussicht gestellten Fördermittel den tatsächlichen Förderbedarf in Schwerte nicht decken können, sind Prioritäten auf Maßnahmen der AWO und der Diakonie gelegt worden.

AWO und Diakonie haben Vorrang

So soll die Kindertageseinrichtung „Zauberland“ der AWO um eine Gruppe mit 25 zusätzlichen Ü3-Plätzen erweitert werden. Die Diakonie wird an der Schützenstraße eine Wohnanlage mit betreuten Wohnformen und einer integrierten viergruppigen Kindertageseinrichtung errichten. In diese Kita soll der Paulus-Kindergarten „Am langen Rüggen“ integriert werde. „Beide Anträge sind angesichts der fristgemäßen Abgabe und unter Berücksichtigung der Stichtagsregelung bevorzugt im Rahmen des bestehenden Förderprogramms zu berücksichtigen“, heißt es in der Verwaltungsvorlage für den JHA.

Unzureichende Küchensituation

Tobias Bäcker kämpft um den Anbau.

Der Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik hingegen habe zum Stichtag 10. Januar 2018 keinen hinreichend bestimmten und entscheidungsreifen Antrag gestellt, so die Verwaltung. Ein formloser Antrag sei am 11. April eingegangen, notwendige Unterlagen sollen angeblich am Montag übergeben werden. Zwar sei eine weitere Gruppe gerade im Innenstadtbereich wünschenswert, aber das ändert offenbar nichts an der eingangs erwähnten Haltung – obwohl die Gefahr droht, dass dem Kindergarten aufgrund der unzureichenden Küchensituation zum 1. August 2019 die Betriebserlaubnis teilweise durch das LWL-Landesjugendamt entzogen wird.

Anbau gewährleistet Auslastung

Gerade das führt Tobias Bäcker, Vorstandsmitglied und Projektbeauftragter Anbau im  Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik, als Argument an. In seinem Schreiben an die Stadt Schwerte vom 11. April heißt es: „Der Waldorfkindergarten steht vor der Notwendigkeit, kurzfristig eine Baumaßnahme durchzuführen, um hinsichtlich der Räume für Küche und Personal auch zukünftig die Standards des Landesjugendamtes zu erfüllen“. Immerhin richteten sich die Angebote des Kindergartens gerade auch an sozial schwache und Flüchtlingsfamilien. Bei jährlich 40 bis 50 Anmeldungen könnten nur fünf bis 15 Platzzusagen vergeben werden. Ein Anbau gewährleiste hingegen eine nachhaltige Auslastung.

Tobias Bäcker hat die Fraktionen im Rat der Stadt Schwerte und Bürgermeister Dimitrios Axourgos über die Dringlichkeit des Anliegens informiert.

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