Mord am Hellweg Finale: Ein mörderisch guter Abend

Schwerte. Es war der glänzende Abschluss, der Final Criminal Act, Europas größten internationalen Krimifestivals „Mord am Hellweg“, das am Samstagabend mit einer glänzenden Gala, hochkarätigen Gästen und gut 600 bestens aufgelegten Krimifans in der Rohrmeisterei endete. Kulturjournalist Matthias Bongard führte launig durch das Programm, Kulturjournalist David Eisermann führte die Gespräche mit den Krimiautoren Candice Fox und Gard Sveen.

Moderator Matthias Bongard unterhielt vom Feinsten.

Mörderisch laut wurde es, als das Landespolizeiorchester (LPO) den Anfang vom Ende des 2018er-Festivals mit einer Orchesterfassung von Michael Jacksons „Thriller“ einläutete. Begrüßt wurden die Gäste von Medien-Profi Matthias Bongard. „Der Grund, dass ich eingeladen wurde – was mich natürlich sehr freut -, war der, dass ich nur ein paar Meter die B 236 entlang muss. Da entstehen keine Fahrtkosten“, so seine humorige Begrüßung. 200 Lesungen mit 180 Krimiautoren aus aller Welt, haben an 100 Veranstaltungsorte in der Region vom 15. September bis 10. November stattgefunden, gab er preis. „Das sind bis zum heutigen Tage 300 Stunden Programm. Das sind 300 Fußballfelder… Wie komme ich jetzt darauf?  Weiß jemand wie es steht?“ Ja, die zweite Halbzeit des Top-Bundesligaspiels Dortmund gegen Bayern München lief zeitgleich – und das Fußballspiel war wohl ebenso spannungsreich, wie der Abschlussabend des Festivals.

Gelungener Mix aus Hochspannung und Humor

Im Mittelpunkt des Abends standen die Krimiautoren. Die australische Bestsellerautorin Candice Fox hatte ihren neuesten Thriller „Redemption Point“ im Gepäck. Den deutschen Lesepart übernahm der Hörbuchsprecher Uve Teschner. Aus Norwegen angereist war Gard Sveen, der seinen jüngsten Krimi „Der einsame Bote“, den dritten Band seiner „Tommy Bergmann“-Reihe präsentierte. Die deutsche Stimme übernahm der Filmschauspieler Kai Schumann, vielen bekannt aus der ZDF-Vorabendserie „Heldt“, die mittlerweile Kultstatus hat. Die Düsseldorfer „Krimi-Cops“ unterhielten mit einer szenischen Lesung aus ihrem aktuellen Buch „Goldrausch“ und sorgten für die humoristische Komponente dieses mörderisch guten Abends.

„Charaktere haben Sprung in der Schüssel“

Hörbuchsprecher Uve Teschner (li.) las den deutschen Part aus Candice Fox Thriller, David Eisermann interviewte die gut aufgelegte Australierin.

Die Protagonisten in Candice Fox‘ Krimi sind Outsider. Ted wegen Entführung und Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens, inhaftiert, unschuldig, vorverurteilt, hat alles verloren und trifft auf die exzentrische Amanda, die „bis zu den Ohrläppchen tätowiert ist“, wegen Totschlags zehn Jahre gesessen hat und mit Ted in einer Privatdetektei Fälle löst. „Ich bin angetan von Candice Fox und von ihren Charakteren. Die haben teilweise so einen Sprung in der Schüssel, dass man sagt: Den kenn‘ ich. Das ist mein Nachbar“, bemerkte Uve Teschner. Sie habe sich von ihrer Mutter inspirieren lassen, entlockte David Eisermann Candice Fox. Sie stammt aus einer eher exzentrischen Familie. Ihre Mutter sei ebenso tätowiert wie Amanda. „Ich musste meine Mutter zu einem Operateur begleiten. Der sollte ihr so spitze Ohren wir Mr. Spock aus Star Streck machen.“

Krimi Cops mit einer Leiche, die keine ist

Bewiesen viel Humor: Matthias Bongard, und die Krimi Cops Carsten Rösler, Carsten Vollmer, Ingor Hoffmann und Klaus Strickelbroeck (v.li.).

Zum LPO, die allesamt Polizisten sind, gesellten sich vier der an und für sich fünf „Krimi Cops“. Die Polizisten aus Düsseldorf haben Anekdoten und Fälle zusammengeführt, aus denen humorige Krimis entstehen. Ebenso humorig war das Interview, das Matthias Bongard mit ihnen führte. In Düsseldorf sei es recht sicher. „Es gibt ein paar Straßenzüge, aber da gehen wir nicht hin“, war die unernste Antwort auf die Frage nach ihrer Arbeit. Die vier, einer viel wegen Hexenschuss aus („Wie konnte das denn passieren? Die Polizisten sind doch alle so fit“, grinste Bongard), lasen szenisch aus „Goldrausch“. Zuerst schießen zwei libanesische Großfamilien aufeinander und haben „erschreckend oft getroffen“ und dann liegt auch noch eine untote Leiche, in einer Wohnung im vornehmen Oberkassel. Und KHK Struhlmann, genannt Struller, hat ein Problem. Die Krimi-Cops hatten die Lacher auf ihrer Seite.

Gänsehaut mit Gard Sveen

Für Gänsehaut sorgten Kai Schumann (li.), der den deutschen Lesepart von Gard Sveen (2.v.li.) Krimi übernahm.

Nach der Pause sorgten Gard Sveen und Kai Schumann für Spannung. Im dritten Band um Tommy Bergmann,  „Der einsame Bote“, sucht der Kommissar nach der verschwundenen 13-jährigen Amanda, die bereits für Tod erklärt wurde, und setzt dabei seine Karriere auf Spiel. Er wird von seinen Kollegen isoliert. Doch dann stößt er auf die Spuren einer Sekte. Ein düsterer Krimi, der Gänsehaut hervorrief.

Auch Landrat Michael Makiolla (li.) und Schauspielerin Marie Luise Marjan (sitzend) wurden von Matthias Bongard persönlich begrüßt.

Es war eine gelungene Abschlussveranstaltung, mit hoch interessanten Gästen, voller Spannung und Humor. Und obwohl Matthias Bongard die vielen Promis unter den Besuchern nicht einzeln begrüßen wollte, wie er zu Beginn der Gala kundtat, machte der Kulturjournalist nach der Pause eine launige Runde durch den Saal und stellte die anwesenden Lokal-Politiker, Schauspielerin Marie Luise Marjan, die vielen guten Geister, die am Gelingen dieses großen Festivals beteiligt sind und Vertreter der Sponsoren vor. Staatsminister a.D. und Vorsitzender des Westfälischen Literaturbüros äußerte den Wunsch, dass hinter „Mord am Hellweg“ made in Westfalen stehen solle. „Geht das nicht auf Deutsch“, fragte ihn Bongard und schlug vor zu schreiben: „Mord am Hellweg – von hier wech“.

Reißenden Absatz fanden die Bücher, die im Anschluss auf Wunsch von den Autoren signiert wurden.

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