Kultur und Amt – keine gute Partnerschaft

Schwerte. „Kultur und Amt – keine gute Partnerschaft“: Unter dieser Überschrift erreicht uns eine Stellungnahme von Andrea Hosang, Sprecherin der Grünen-Fraktion im Stadtrat, und von Gernot Folkers, für die Grünen Mitglied im Verwaltungsrat des Kuwebe. Dazu hat die Redaktion eine Reaktion des Schwerters Bernd Kirchbrücher erhalten (siehe Kommentar am Textende). Andrea Hosang und Gernot Folkers schreiben:

>> Dass der Kuwebe, geführt als Anstalt öffentlichen Rechts, vor dem finanziellen Ruin steht, ist allgemein bekannt. Jahrelang hat die Stadt ihn als Sparbüchse benutzt, den erforderlichen Zuschuss ständig gekürzt, die Beteiligung an der Gebäudeunterhaltung verweigert usw. Es ist daher zu begrüßen, wenn radikale Ideen zur Zukunft der städtischen Kultureinrichtungen ins Spiel kommen. Die Rückführung der Kultureinrichtungen in ein städtisches Kulturamt ist aber gerade nicht radikal, löst das Problem nicht an der Wurzel, denn die Wurzel ist das Geld. Und der Substanzverlust von 3,6 Mio. muss so oder so von der Stadt ausgeglichen werden.

Ein Amt ist eine alte, seriöse, stabile Einrichtung der Verwaltung mit klar geordneten Entscheidungsstrukturen. Kultur aber ist nicht seriös, stabil und alt, sie ist wendig, dynamisch, erneuert sich ständig, braucht wechselnde Entscheidungsträger, denen der Rücken freigehalten wird, braucht hier mal Projektpersonal, dort mal Expertise von außen, braucht neue Partner oft nur für kurze Frist. Kurz: wenn Kultur gegen Amt spielt, gewinnt am Ende immer das Amt. Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung hat das schon 1996 in einer gründlichen Studie zur Organisation von Kultur herausgearbeitet.

Man kann verstehen, dass manche, z. B. die Schwerter Kulturinitiative, angesichts der Schwäche des Kuwebe in einem Amt eine Lösung sehen: zu erwarten ist aber, dass im Amt die Kultur nur auf kleiner Flamme verwaltet werden kann. Im reichen Kulturleben Schwertes ist die städtische Kultur mittlerweile aber nur noch ein Mitspieler unter vielen. Eigenständige Bedeutung kann sie nur bekommen, wenn sie die kraftvolle Lust an Experiment und Kooperation ermöglicht, wenn alle Mitwirkenden in der Freiheit neuer Ideen nach vorne gehen können. Es gibt durchaus städtische Betriebsformen, die das ermöglichen. Das Amt aber nicht.

Der Bürgermeister hat dem Rat einen Beschlussvorschlag vorgelegt, die Verwaltung möge die wirtschaftlichen Folgen einer möglichen Rückführung des KuWeBe zur Stadt prüfen. Nach den möglichen Folgen für die inhaltliche Arbeit wird nicht gefragt. Die Grünen werden verlangen, dass auch andere städtische Betriebsformen für die Kultureinrichtungen ergebnisoffen geprüft werden. <<

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Kommentare

Comments

  • Bernd Kirchbrücher 2. Juli 2018 at 8:31

    Die ersten beiden Sätze der Stellungnahme von Hosang und Folkers treffen schon des grünen Pudels Kern: Da wird „die Stadt“ als Schuldige identifiziert, die „benutzt“, „kürzt“ und „verweigert“ und den KuWeBe zu Grunde gerichtet hat. Es sind also nicht etwa die wirklichen Schwerter Parteien oder die lebendigen Ratsherren und Ratsfrauen, die die entsprechenden Beschlüsse gefällt oder abgesegnet haben, sondern es war „die Stadt“ – irgendwie.

    Genau das ist die Konstruktion, mit der die Kultur in Schwerte von – ich glaube weniger böswilligen als vielmehr völlig desinteressierten Akteuren, die nur den Rotstift im Kopf haben, mit großem Schwung in Richtung Wand gefahren worden ist. Schritt 1: Irgendwo sitzen die Stadtspitze und die Parteien und kürzen ganz abstrakt Geld für den KuWeBe. Und das interessiert eigentlich niemanden so richtig. Schritt 2: Der KuWeBe verstümmelt in der Folge z.B. das Welttheater und eigentlich vor allem sich selbst, streicht Angebote und Stellen und zeigt dabei, wenn die Proteste laut werden, immer stumm und resigniert in Richtung „Stadt“. Denn man muss ja leider den „Gegebenheiten“ Rechnung tragen. Nichts ist greifbar oder gar angreifbar, alles bleibt alternativlos.

    Das aber ist in Schwerte der tiefe Sinn der Konstruktion „Anstalt öffentlichen Rechts“ gewesen, ist das dunkle Herz des KuWeBe. Dem müsste künftig wieder eine möglichst direkte und transparente Anbindung von Kultur und Weiterbildung an den Rat entgegengesetzt werden, die Verantwortlichkeiten und Verantwortliche offenlegt. Natürlich sollen die Parteien um Gotteswillen nicht darüber entscheiden dürfen, wer sie bei den Kleinkunstwochen an die Wand nageln darf. Aber sie sollen gefälligst Farbe bekennen und sich der Kritik stellen müssen, wenn sie entscheiden, für Kulturförderung, neue Bücher oder politische Bildung immer weniger Geld zur Verfügung zu stellen.

    Warum das alles dann mit einem Wust von Bürokratie und muffiger Starrheit verbunden sein müsste, bleibt das Geheimnis eines (nicht mehr ganz neuen) grünen Liberalismus, der Staats- oder Stadtferne mit Freiheit und Phantasie verwechselt. Dass das aber nicht so ist, zeigt die herrschende Situation überdeutlich.

    Zu guter Letzt: „Ohne Moos nix los“ lautet die wichtigste Erkenntnis, der sich die Politik zu stellen hat. Das aber ist in allen Organisationsformen so.

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