Kooperationen für die Jugend: Schulen müssen sich mehr einbringen

Schwerte. Braucht Schwerte ein Jugendnetzwerk? Die Teilnehmer einer Expertenrunde, zu der die katholische Pfarrgemeinde St. Marien eingeladen hatte, waren sich einig: Zusätzliche Termine und Anforderungen können die Akteure in der Schwerter Jugendarbeit nicht mehr stemmen. Im Bereich der sozialen Hilfen sind sie auch gut vernetzt. Bei den Freizeitangeboten aber sollte mehr Kooperation stattfinden. Und: Die Schulen müssen viel mehr einbezogen werden als bisher.

Für die Gemeinde selbst kristallisierte  sich ein neuer Arbeitsschwerpunkt heraus: Eltern von Jugendlichen werden aktuell nur sehr wenig Angebote gemacht. Dabei sind Väter und Mütter für 12- bis 21jährige junge Menschen Ruhe- und Angelpunkt in ihrem stressigen und anforderungsreichen Leben. Das hatte eine Umfrage ergeben, die die Kirchengemeinde mit wissenschaftlicher Hilfe des Zentrums für angewandte Pastoral (ZaP) an der Bochumer RuhrUniversität erstellt hatte. Die Gemeinde wird mit Hilfe des Erzbistums Paderborn, das den Jugendnetzwerk-Prozess in Schwerte angestoßen hat, versuchen den Bedarf bei Eltern genauer zu erfassen.

Praktiker diskutierten

Eva Mehrens (links, Gemeindereferentin von St. Marien) und Miriam Zimmer vom ZaP Bochum.

Über Chancen der Netzwerkbildung diskutierten im Pfarrheim von St. Marien viele Praktiker aus der Jugendarbeit: so zum Beispiel der VSI mit dem FaktorRuhr, die AWO, die evangelischen Kirchengemeinden, Sonnenregen e.V., das Holzener HoT, das Café Chaos Geisecke, das Schwerter Netz, das Dekanat Unna, das Jugendamt mit der städtischen Jugendhilfeplanung, die Bürgerstiftung Ruhrtalmuseum, Lehrer vom RTG, vom FBG und der Fleitmann-Gesamtschule und der Schwerter CDU.

Größter Wunsch der Akteure in der Jugendarbeit war eine engere Zusammenarbeit mit den Schwerter Schulen. Die Schulen sollen über ihre Plattformen Informationen aus der Schwerter Jugendarbeit, etwa über soziale Hilfsangebote, weitergeben und sich selbst noch viel mehr als bisher Kooperationspartner in die Klassenzimmer holen. Untereinander wünschen sich die Akteure ein Arbeitsnetzwerk in den Bereichen Freizeit und Bildung, so wie es das im Bereich der sozialen Hilfe in Schwerte längst schon gibt. Hier wird die katholische Gemeinde weiter versuchen zu moderieren und einmal jährlich alle Akteure zu einem Austausch zusammenholen.

Aufmerksamkeit und nachhaltige Betreuung

Die ZaP-Umfrage hatte ergeben, dass sich Schwerter Jugendliche quer durch alle sozialen Schichten und Bildungsniveaus selbst als sehr leistungsbereit, aber wenig orientiert und unselbstständig darstellen; genau so werden Jugendliche von den Akteuren der Jugendarbeit auch oft erlebt. Hier will die Gemeinde versuchen unter dem Ziel der „Lebenskönnerschaft“ sinnstiftend zu wirken, Werte und Haltungen zu vermitteln und Pausen-Inseln im Alltag zu schaffen.

Aber nicht nur „Quarterback“ Peter Blaschke vom VSI war aufgefallen, dass die Schere zwischen den gesellschaftlich abgehängten Jugendlichen und der offenbar leistungsbereiten Mehrheit immer größer wird. Beide Pole verlangen Aufmerksamkeit und nachhaltige Betreuung.

 

Print Friendly, PDF & Email

Kommentare

Über den Autor