Kieselrot in Schwerte-Ost: Wie lange dauert denn die Sperrung noch?

Schwerte-Ost. Tage wie diese laden nicht unbedingt zum Verweilen auf einem Spielplatz ein. Aber der nächste Frühling kommt bestimmt, und dann würde Bernd Droll schon ganz gerne sehen, dass der Spiel- und Bolzplatz an der Lichtendorfer Straße wieder frequentiert wird. Um zu dokumentieren, dass ihm die mittlerweile siebenmonatige Sperrung der Anlage gegen den Strich geht, hatte der SPD-Ratsherr aus Schwerte-Ost am Dienstag die Verwaltung zum Ortstermin gebeten.

Die Frage aller Fragen war: Wie lange wird die Sperrung des Spielplatzes noch dauern? Die Antwort: Sie kennt noch niemand. „Wir warten auf Signale“, erklärte Fachdienstleiter Andreas Pap dem Blickwinkel – und unterstrich noch einmal: „Das Zeug muss raus“. Das Zeug ist belastetes und belastendes Material namens Kieselrot. Der Umgang damit war in den 50er und 60er Jahren an der Tagesordnung. Erst 1991 wurde festgestellt, dass Kieselrot mit Dioxin belastet ist. Ja, das Zeug muss weg!

Belastung ist schon lange bekannt

Dass unter dem Spielplatz in Schwerte-Ost eine Kieselrotaschenschicht liegt, ist in der Stadtverwaltung schon seit 1992 bekannt. Das Material war damals mit Boden abgedeckt worden. Andreas Pap hatte schon am 23. April 2015 den Jugendhilfeausschuss über die Belastung informiert. Von einer aktuten Gesundheitsgefährdung sprach Pap seinerzeit nicht und berief sich dabei auf eine Mitteilung der Unteren Bodenschutzbehörde des Kreises Unna; die vorhandene Abdeckung reiche aus.

Sperrung erst in 2017

Zwei Jahre später hat das offenbar schon ganz anders ausgesehen. Eine Sanierungsuntersuchung durch einen Sachverständigen hatte in Oberflächenmischproben Belastungen durch Kieselrot ans Tageslicht befördert. Jetzt reagierte die Verwaltung schnell und sperrte den Spielplatz. Offenbar wurde erst 2017 festgestellt, dass es einer witterungsbedingten Abnutzung und Abtragung der Deckschicht gekommen ist.

Die Sanierung der Anlage und des Bolzplatzes am Lindenweg liegt mittlerweile im siebenstelligen Bereich. Die Stadt Schwerte hat Förderanträge gestellt, hofft darauf, dass das Land 80 Prozent der Kosten übernimmt, kann aber vor einer Förderzusage nicht tätig werden. „So lange bleibt der Bauzaun stehen“, sagte Andreas Pap.

Zumindest der Zaun verursacht keine Kosten mehr. Denn hatte die Stadt Schwerte seinerzeit für 6000 Euro gekauft in der Annahme, dass das preiswerter werden würde als einen Zaun zu mieten. Scheinbar haben sich die Kosten bereits amortisiert.

Die Position des Kreises

Der Blickwinkel hatte auch den Kreis Unna um eine Stellungnahme gebeten. Sie liest sich so:

„2015 lagen erste Ergebnisse zur Belastungssituation aus der ersten orientierenden Gefährdungsabschätzungsuntersuchung vor. Hierbei wurde die Belastungssituation u.a. für den Spielplatzbereich noch nicht als so gravierend eingestuft. Es wurden aber weitere Untersuchungsmaßnahmen für notwendig erachtet und mit der Stadt Schwerte abgestimmt.

Nach Vorliegen dieser Ergebnisse in 2017 stellte sich heraus, dass es im Bereich des Spielplatzes bei direktem Kontakt zum Boden zu einer Gesundheitsgefährdung kommen könnte (die Fachleute sprechen vom Gefährdungspfad Boden/Mensch nach der Bundesbodenschutzverordnung) und eventuell weitere Maßnahmen in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt durch die Stadt Schwerte zur weiteren Nutzung des Spielplatzes erforderlich werden. Daraufhin hat die Stadt Schwerte ohne Anordnung durch die untere Bodenschutzbehörde, sozusagen aus Vorsorgegründen, freiwillig den Spielplatz gesperrt.“

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