IHK-Wirtschaftsgespräch: Zuzug von Flüchtlingen ist eine Herausforderung

Schwerte. Wer in Schwerte Rang und Namen hat, war am Donnerstag im Freischütz zu finden. Die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund hatte dorthin zum jährlichen IHK-Wirtschaftsgespräch geladen. Thema: die Flüchtlingsproblematik und die Herausforderungen für Wirtschaft, Politik und Verwaltung.

Das große Interesse an diesem Thema spiegelte sich auch in der Teilnehmerzahl wider: IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber begrüßte rund 80 Gäste im Freischütz Schwerte. In seiner Einleitung skizzierte Schreiber den deutlichen Anstieg der zugewiesenen Flüchtlinge für die IHK-Region mit den Städten Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna. Waren es 2014 knapp 2.300 Flüchtlinge, so lag die Zahl im vergangenen Jahr bereits bei mehr als 9.600. Wie bereits eine IHK-Umfrage im November gezeigt hat, sind die Betriebe durchaus bereit, Flüchtlinge zu integrieren: Fast die Hälfte der Unternehmen hat ein Interesse daran einen Flüchtling einzustellen (42 Prozent), auszubilden (41 Prozent) oder einen Praktikumsplatz anzubieten (46 Prozent). Die Rohrmeisterei zum Beispiel geht hier mit großem Beispiel voran.

Fahrplan zur Integration

Die IHK hat zudem einen Fahrplan zur Integration der Flüchtlinge erstellt, der die IHK-Aktivitäten für Unternehmen bei der Beschäftigung von Flüchtlingen aufzeigt. Im Einzelnen gliedert sich der IHK-Fahrplan in vier Stationen: Information, Beratung, Recruiting und Vermittlung. Dazu gehört es beispielsweise, die Unternehmen über Veranstaltungen, Internet (www.dortmund.ihk24.de/Fluechtlinge) und die IHK-Zeitschrift Ruhr Wirtschaft über die Thematik zu informieren und praktische Hilfen zu geben. Des Weiteren unterstützt die IHK bei der Suche nach geeigneten Kandidaten und hilft, betriebsinterne Abläufe zur Integration von Flüchtlingen in den betrieblichen Alltag zu organisieren.

Über Berufskollegs, Bildungsträger und den Integration Points in den Städten Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna werden geeignete Flüchtlinge gesucht, die für ein Praktikum, eine Einstiegsqualifizierung oder eine Ausbildung in Frage kommen.

„Die Bereitschaft vieler Unternehmen bei der Integration wäre jedoch noch höher, wenn die Rahmenbedingungen besser wären“, sagte Schreiber. Es müsse dafür gesorgt werden, dass die beruflichen Qualifikationen der Flüchtlinge systematisch erfasst werden und die Flüchtlinge eine durchgängige Sprachförderung erhalten. „Nur so wird die Integration reibungslos funktionieren“, betonte Schreiber.

Die Entwicklung der vergangenen Monate und die gegenwärtige Situation vor Ort schilderte dann der 1. Beigeordnete der Stadt, Hans-Georg Winkler, in seinem Vortrag „Wie löst Schwerte das Flüchtlingsproblem?“

Diskussionsrunde mit Experten

Thomas Helm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamm, erläuterte in seiner Präsentation „Potenziale nutzen – geflüchtete Menschen beschäftigen“, welche Chancen sich für Unternehmen mittel- und langfristig durch die Beschäftigung der Flüchtlinge ergeben könnten. Nach der Verteilung gemäß dem „Königsteiner Schlüssel“ habe das Land Nordrhein-Westfalen 2015 276.000 Flüchtlinge (21 Prozent) aufgenommen, davon seien 75 Prozent im erwerbsfähigen Alter. Die deutliche Mehrheit der Flüchtlinge im Bezirk der Agentur für Arbeit Hamm stamme aus Syrien (60,2 Prozent), gefolgt von Irakern (11,6 Prozent) und Afghanen (10,9 Prozent). Helm stellte die Arbeit des Integration Points sowie die geplanten Maßnahmen für das laufende Jahr vor und erläuterte die Eckpunkte des neuen Integrationsgesetzes.

Wie viele Flüchtlinge sind für Schwerte verzeichnet? Wo liegen die größten Chancen der Arbeitsmarktintegration vor Ort? Und wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)? Mit diesen und vielen weiteren Fragen wandte sich Moderator Stefan Schreiber in der abschließenden Diskussionsrunde an die Experten.

Neben Thomas Helm standen Schreiber auch Tobias Bäcker (Geschäftsführer der Bürgerstiftung Rohrmeisterei Schwerte), Freischütz-Geschäftsführer und IHK-Vollversammlungsmitglied Jörg Prüser,  IHK-Referentin Sandra Schröder und Ferdinand Adam (Kreis Unna)  Rede und Antwort und gaben viele wichtige Informationen für die anwesenden Unternehmer.

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Kommentare

Comments

  • Jan Schmid 30. Juni 2016 at 19:35

    Ich hätte die oben angegebenen Prozentzahlen jetzt eher so interpretiert, dass deutlich mehr als die Hälfte(!) der Unternehmen KEIN Interesse daran haben, Flüchtling einzustellen (58 Prozent), auszubilden (59 Prozent) oder einen Praktikumsplatz anzubieten (54 Prozent), oder ?

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