Ein fantastischer Abend mit Murzarella, Frau Adelheid, Kalle und Dudu

Schwerte. Großartig! Überwältigend wunderbar! Diese Frau sollte, nein, muss ein Fall für Holger Ehrich werden. Wenn der Chef des Schwerter Kulturbüros die Kleinkunstreihe 2020 plant, dann bitte mit Sabine Murza. Diese Powerfrau hat am Samstag schiere Begeisterung hervorgerufen bei ihrem Auftritt im City Center, das einmal mehr zum Kulturtempel fürs benachbarte Café Herrlich geworden ist. „Bauchgesänge und andere Ungereimtheiten“ nennt Sabine Murza ihr Programm. Es war grandios! Vergleichbares hat Schwerte noch nicht gesehen. Schon heute wird’s Zeit für ihr Comeback.

Sivita Karakus, Chefin im Café Herrlich, ist eine Frau, die Kultur lebt und Kleinkunst anbietet. Und so hat sie zugeschlagen, als ihr der in Schwerte bestens bekannte Moderator Jörg Przystow die Künstlerin ans Herz legte, nachdem er Murzarella (das ist der Künstlername der nur 1,58m großen Powerfrau aus Baden-Baden) im Dortmunder Hansa-Theater gesehen hatte. Sivita Karakus hat weder Kosten noch Mühe gescheut, die Bühne im City Center zu bereiten für einen der kurzweiligsten Kulturabende, den Menschen aus der Ruhrstadt in diesem Jahr erleben durften – jammerschade für alle, die nicht gekommen waren.

Sie haben was verpasst

Kalle, der Schalker, und Murzarella, die Wespe.

Sie haben Frau Adelheid verpasst, Murzarellas beschwipste Buchhalterin und Managerin, die Likörchen mag, Schwarzwälder Kirschtorte und Wolfgang, den Mann im blauem Hemd aus dem Publikum. Sie war „von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ und hätte am liebsten mit Wolfgang hinter der Bühne ein Likörchen getrunken. Frau Adelheid ist eine Puppe.

Sie haben Dudu verpasst, den rotzfrechen Kakadu, der keine Gelegenheit ausgelassen hat, seiner Murzarella eins auszuwischen, von ihrer Orangenhaut berichtete und etwas von Spontanmauser faselte angesichts der vermeintlich miserablen Gesangsqualitäten Murzarellas. Dudu ist eine Puppe.

Sie haben Kalle verpasst, der eigentlich Karl-Heinz heißt und die bekannteste Kanalratte aus Wanne-Eickel ist. Kalle ist Bühnentechniker, Autoschrauber mit dem Motto tiefer, breiter, schneller und natürlich Handwerker, der weiß, wie’s geht: Schaum und Silikon ersetzen Präzision. Kalle ist Schalker – und eine Puppe.

Aus’m Bauch von Schneckchen

Die Mannschaft vom Café Herrlich mit Sivita Karakus (vorne, 2.v.l.) und Moderator Jörg Przystow.

Ihre Stimmen kommen alle aus dem Bauch von Murzarella, Bauchrednerin und Bauchsängerin von allererster Güte. Sie lässt ihre Puppen nicht nur tanzen, sie haucht ihr intensives und emotionales Leben ein, sie lässt sie exzellent singen. So wie sie selbst exzellent singt. Rock. Soul. Jazz. Dann, nur dann bewegen sich ihre Lippen. Bei Frau Adelheid, Dudu oder Kalle sieht man’s nicht. Außer der Musik kommt dabei nichts vom Band. Kalle weiß das: „Neeee, dat kommt aus ´m Bauch von den Schneckchen, hömma!“ Murzarella verfügt über eine sensationelle Technik, beweist Humor und guckt genau hin, wenn’s um die alltäglichen Dinge geht. Dass sie weiß, wie Ruhrpottslang geht, liegt an ihrer Geburtsstadt Gelsenkirchen.

Ob Kalle deshalb einen Schalkeschal trägt und die Schwerter darum bat zu beten, auf dass Schalke Deutscher Meister wird? Ausgerechnet Schwerter! Jörg Przystow konterte mit einem Borussenschal. Jetzt sehe sie aus wie eine Wespe, befand Kalle mit Blick auf Murzarella und gab zu, abnehmen zu müssen, „weil der Bauchnadel zu weit weg is vonne Wirbelsäule“.

Herr Ehrich, übernehmen Sie!

Weil alle Figuren authentisch bleiben, kommen sie an im Publikum. Weil Sabine Murza authentisch ist, liebt sie das Publikum. Der Beifall war frenetisch. So wie in Euskirchen. Oder in Datteln. Oder Stockstadt. Dort hat Sabine Murza in diesem Jahr die Kleinkunstpreise eingesammelt bzw. den Stockstädter Römerhelm. Sie sehen, Herr Ehrich, Sabine Murza ist eine fürs Volk. Und für die Schwerter Kleinkunstreihe. Bitte übernehmen Sie!

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