Drohendes Aus für Produktionsschule birgt Gefahren für die Schwerter Tafel

Schwerte. Die Produktionsschulen in NRW stehen vor dem Aus. Das Programm soll auslaufen. Stattdessen möchte Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in der schwarz-gelben Landesrgierung von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), das so genannte Werkstattjahr einführen. Das trifft allerdings aus Altersgründen zu einem hohen Prozentsatz nicht das Klientel, das sich derzeit in den Produktionsschulen aufhält. Auch die Produktionsschule in der Schwerter Tafel klammert sich an einen Strohhalm.

Debatte am Mittwoch

Noch ist die letzte Entscheidung in Düsseldorf nicht gefallen. Am Mittwoch soll über das Thema debattiert werden. Die Hoffnungen, dass sich Minister Laumann mit seinem Vorhaben nicht durchsetzen wird, sind gering. Herbert Dörmann, Geschäftsführer der Werkstatt Unna als Träger von S.I.G.N.A.L. in Schwerte, berichtet, dass es landesweit 2832 Plätze in den Produktionsschulen gibt. „Maximal 1400 werden durch das Werkstattjahr ersetzt“, sagte er am Montag auf einem Medientermin in der Schwerter Tafel. An seiner Seite: Rüdiger Weiß, Landtagsabgeordnete der SPD und deren europapolitischer Sprecher. Peter Höck, Leiter von S.I.G.N.A.L. in Schwerte. Und aus der SPD die Damen Sigrid Reihs, Reinhild Hoffmann, Angelika Nappert und Claudia Becker-Haggeney.

Der Eingang zur Schwerter Tafel.

Wertvolle Integration

Alle fürchten, mit der Produktionschule wertvolle Möglichkeiten für die Integration von jungen Menschen zu verlieren, die auf dem ersten Bildungsweg gescheitert sind und bei denen davon auszugehen ist, dass die Regelangebote der Berufsvorbereitung nicht zum Integrationserfolg führen würden. Bei der Zielgruppe handelt es sich zumeist um Jugendliche mit mehrfachen arbeitsmarktlichen Vermittlungshemmnissen. Da hat man in Schwerte gute Arbeit geleistet. „Schwerte ist eine Referenzfolie für eine Produktionsschule schlechthin“, unterstrich Herbert Dörmann. „Es ist ein erfolgreiches Programm, dass wir gerne erhalten würden“. 13 Plätze gibt es in Schwerte, im gesamten Kreis 134. Nur 48 von ihnen bringen die Voraussetzungen für das Werkstattjahr ab September mit.

Rettungsanker Jobcenter?

In Schwerte hat das Prinzip Hoffnung einen Namen: Jobcenter. Die Produktionsschule ist ein durch das Jobcenter im Kreis Unna gefördertes Projekt. Dass es Interesse daran hat, Alternativen zu entwickeln, ist signalisiert worden. Eine Garantie für einen nahtlosen Übergang gibt es aber nicht, weil noch niemand weiß, ob auch genug Geld für diese Alternative zur Verfügung stehen wird. Klappt das Vorhaben nicht, wird die Schwerter Tafel nicht mehr die Tafel sein, die viele auch als Begegnungsstätte kennen und schätzen und deren Speiseangebote von rund 250 Menschen pro Woche angenommen wird. Das garantieren die jungen Menschen, die unter betriebsähnlichen Bedingungen im Bereich der Hauswirtschaft arbeiten, Frühstücke zubereiten, Mittagessen produzieren, einen zuvorkommenden Service bieten. Verantwortung zu übernehmen ist ein Teil gelungener Integration geworden. Es geht nicht um Abschlüsse, sondern um Anschlüsse, sagt Herbert Dörmann. Jetzt steht die gute Sache auf der Kippe.

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