Die sommerliche Freiluftlounge und die jungen Menschen aus der Produktionsschule

Schwerte/Kreis Unna. Sie haben es gemütlich gemacht, die jungen Leute aus der Produktionsschule der Schwerter Tafel (S.I.G.N.A.L. in der Werkstatt Unna). Der Hof vor der Schwerter Tafel in der Ostenstraße war sommerlich hergerichtet, die Getränke gekühlt und der Grill eingeschaltet. Freiluftlounge haben sie den Bereich benannt.

Bei Grillen, Chillen und Live-Musik gaben die 13 Jugendlichen und jungen Erwachsenen am Mittwoch einen Einblick in die ungewöhnliche Berufsvorbereitung ihrer Produktionsschule. Zweimal pro Woche kochen und servieren die Teilnehmer des Signal-Projektes den Mit­tagstisch und das Tafel-Frühstück für Benachteiligte und Bedürftige. Wö­chentlich bieten sie ein Tafel-Café in der Ostenstraße 17 an und helfen auch bei der Lebensmittelausgabe an Bedürftige. 250 Gäste haben sie in der Re­gel jede Woche.

Bundesweite Initiative

Die Schwerter Aktion ist Teil einer bundesweiten Initiative. Zusammen mit insgesamt 80 weiteren Bildungseinrichtungen laden die Produktionsschulen im Kreis Unna und in Hamm am 6. Juni zum Tag der offenen Tür ein, und präsentieren ihre Arbeit in Bergkamen, Unna, Hamm, Schwerte und Lünen. Das Programm reicht von der Präsentation erfolgreicher Projekte, dem Ver­kauf von Produkten und Upcylingmaterialien bis zur abwechslungsreichen Getränke- und Speiseangeboten durch die Mitarbeiter und Beschäftigten. Die Produktionsschulen sind die dritte Chance für Jugendliche und junge Erwachsene, die in den klassischen Bildungswegen Schule, Studium oder duale Ausbildung noch nicht den gewünschten Erfolg hatten.

Modellprojekt

„Was vor zehn Jahren als ein Modellprojekt der Werkstatt im Kreis Unna in Unna begann, ist heute ein fester Baustein im neuen Übergangssystem zwi­schen Schule und Beruf“, sagt Marion Velikonja, Abteilungsleiterin bei der Werkstatt im Kreis Unna. Das Lernen in der praktischen Arbeit mit realen Aufträgen richtet sich an junge Menschen, die vorher keinen Weg in den Beruf gefunden haben. Auch wenn das Land NRW jetzt die Produktions­schulen durch ein Werkstattjahr ersetzt, hält die Werkstatt das Lernen in der Praxis weiter hoch. Auch im Werkstattjahr wird die Auftragsarbeit fortgeführt.

Zugang zu Aus- und Weiterbildung

In der Produktionsschule wird den jungen Menschen dieser Zugang zu Aus- und Weiterbildung ermöglicht: Die jungen Beschäftigten akquirieren und pla­nen die Auftragsarbeiten im Team mit den Fachanleitern und Pädagogen. So hat die Schwerter Produktionsschule neben der wöchentlichen Arbeit noch Catering für gemeinnützige Auftraggeber akquiriert. Beim Pannekaukenfest und anderen Großveranstaltungen ist die Produktionsschule aktiv. Die finan­zielle Förderung der Produktionsschule erfolgt durch das Land Nordrhein-Westfalen und den Europäischen Sozialfonds. Weiterer Fördergeber ist das Jobcenter Kreis Unna.

Breites Spektrum

Rund ein Fünftel der Jugendlichen werde leider vom Regelschulsystem nicht erreicht – „zum Beispiel weil ein Schulverweigerer eben nicht mehr zur Schu­le geht“, erklärt Herbert Dörmann, Geschäftsführer der Werkstatt im Kreis Unna. Dass diese Jugendlichen allerdings durch lernen an spannenden Auf­trägen wieder Perspektiven und Zugang zu Aus- und Weiterbildung finden, das beweisen die Produktionsschulen der Werkstatt mit ihren 180 Plätzen. 49 Prozent der Jugendlichen konnten in Arbeit, Ausbildung, Schule oder Weiterbildung vermittelt werden. Von Bänken und neuen Außenbereichen für Kindergärten und Schulen bis hin zu Spielgeräten für Schulhöfe oder Aus­stattungen für Flüchtlingsunterkünfte und eben der Arbeit in der Schwerter Tafel reicht das Spektrum der Projekte.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentare

Über den Autor