Beeindruckendes Weihnachtskonzert des RTG

Schwerte. Geschlagene eineinhalb Stunden vor der Öffnung des Portals von St. Viktor stand die Schlange bis zum Haupteingang der Volkshochschule – einen besseren Beweis für die Wertigkeit des traditionellen RTG-Weihnachtskonzertes gibt es gar nicht.

Beileibe nicht nur Eltern und Angehörige der Auftretenden füllten erst frierend den Marktplatz, dann fröstelnd die Stuhlreihen der nicht wirklich geheizten Marktkirche bis auf dem letzten Platz, das wäre ja kein Kunststück. Für viele Schwerter ohne RTG-Anbindung gehört der Besuch gerade dieses Schulkonzertes zur Vorweihnachtszeit dazu. Musik erleben, wo sie mit Inbrunst gemacht wird, mit Herzblut, mit Freude und Verständnis, ungeachtet der Tatsache, dass da „nur“ Kinder und Jugendliche musizieren, das ist doch echter Konzertgenuss.

Gänsehaut-Feeling

Die „Waves“ des Australiers Dean Lewis, interpretiert auf Gänsehaut-Art von Ulrica Nagel und Franziska Wiesweg, konnten allerdings Profiansprüchen genügen. Und dass Klarinettist Niklas Malcharczyk dermaleinst zu den ganz Großen an seinem Instrument gehören wird, ebenso wie Ole Schwarze an seiner Geige – das wird jeder Konzertbesucher gern unterschreiben. Schön, dass die soeben pensionierte Musikschul-Lehrerin Judith Babilon-Giersch ihre unangreifbare Klavierbegleit-Kompetenz diesem Nachwuchstalent noch gewidmet hat. Und da sind noch jede Menge vielversprechende Gesangstalente wie Clare, Lediana oder Anstasia, denen die Entdeckung durch Förderer und Ausbilder absolut zu wünschen ist.

Klasse, der Schulchor des RTG.

Phantastischer Schulchor

Und den Schwerter Musikfreunden sind viel mehr Auftritte des großen, wirklich phantastisch aufgestellten Schulchores zu wünschen, den Uwe Schiemann zu einem authentischen, wirkungsvollen und volltönenden Klangkörper geformt hat. Der unbändige Spaß, den die jungen Damen und Herren beim Singen auch kompliziertester sechsstimmiger Chorliteratur zeigten, sollte nicht über den unendlichen Probenfleiß hinwegtäuschen, der hier investiert wurde. Stunden der ohnehin knappen Gymnasiasten-Freizeit etwas so anstrengendem zu widmen wie Joseph Rheinbergers Abendlied, das nötigt größen Repekt ab.

Wunderschön

Einen Riesen-Anteil am Gelingen des Abends hatte aber auch das Vororchester unter der Stabführung von Michael Blaschke. Möge sein rosafarbenes Rüschenhemd noch vielen Wäschen trotzen; immer wenn er das anzieht, dann hat er vorher Kindern Musik wirklich beigebracht. Musik, die sie verstehen und dann auch spielen können. Keine überfordernden Experimente, und doch genussvoll mitzuerlebende konzertante Aufführungen mit Showeffekten. Bei „Hedwigs Theme“ sah man förmlich die Schneeflöckchen mit Potters Eule durch St. Viktor schweben – wunderschön!

Klar gab es auch diesmal wieder die Weihnachtsklassiker, traditionell dargeboten und humorig neu arrangiert oder ulkig verpackt, zum Beispiel mit Rentierhufen-Geklapper bei den Jingle Bells. Und so wunderbare Dinge wie das schmissig-choreographierte Weihnachtsessen der Trommelköppe, Blaschkes zu kühnen Wünschen anregender Percussion-Nachwuchs.

Fazit: Gäb’s das Weihnachtskonzert des Ruhrtalgymnasiums nicht, man müsste es erfinden. Dieser Stadt würde sonst was fehlen…

 

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