Alles im Fluss? Nachdenken über die Hagener Straße

Schwerte. Wenn’s um Verkehr geht, wird in Schwerte über die B236 und deren Umbau gesprochen. Oder über eine Osttangente. Oder über einen Kreisel in Ergste. Die Hagener Straße und ihre Sperrung in Richtung Westen hat kaum einer auf der Agenda. Dabei sorgt diese Sperrung für eine hohe bis belastende Verkehrsdichte auf der Innenstadtachse Wittekindstraße, Nordwall, Westwall. Das ist für alle aus Süd und Ost kommenden Fahrzeuge auch der Weg zum überregional bedeutsamen Kulturzentrum Rohrmeisterei. Damit werden Bereiche mit einer höheren Aufenthaltsqualität als die der Hagener Straße überdurchschnittlich belastet.

Der Blickwinkel hat die Bürgermeisterkandidaten gefragt und möchte wissen, wie sie über eine Öffnung der Hagener Straße in beide Richtungen denken. Fünf von ihnen haben sich mit dem Inhalt auseinandergesetzt, der sechste, Gregor Podeschwa, setzt auf den Bürgerwillen. Nachstehend die Antworten in Reihenfolge ihres Eingangs.

Gregor Podeschwa

Gregor Podeschwa.

Die politischen Entscheidungen sollen nicht primär von mir kommen, sondern von den Schwerter Bürgern, Institutionen und Unternehmern. Aus meiner Wahrnehmung heraus wünschen sich die Schwerter Bürger mehr Transparenz und Beteiligung bei den Entscheidungen. Daher würde ich die Bürger, Unternehmer und Institutionen mit an den Tisch einladen um gemeinsam als Lösungen arbeiten. Dabei möchte ich zukunftsfähige, umweltverträgliche und altersgerechte Konzepte unterstützen und umsetzen!

Christiane Ganske

Christiane Ganske

Die Öffnung der Hagener Straße und die Belebung der Schwerter Innenstadt sind meiner Ansicht nach zwei sich widersprechende Ziele. Ich kenne attraktive Innenstädte zum Beispiel in Münster oder in Oldenburg. Diese zeichnen sich durch weniger Autoverkehr und großzügige Fußgängerbereiche in der Innenstadt aus. Das sind Innenstädte, die auch für Touristen attraktiv sind. Allerdings müssen Lösungen für den zunehmenden Verkehrsstau in der Schwerter Innenstadt geschaffen werden. Von Parkplätzen in den Schwerter Randbereichen sollten meiner Ansicht nach innerhalb akzeptabler Abstände (mind. alle 20 Minuten) kostengünstige, idealerweise kostenlose, Busverbindungen in die Schwerter Innenstadt fahren. Und die Fahrradwege sind weiter auszubauen.

Die Nordwallbelastung ist durch den reinen Durchgangsverkehr an zwei Stellen kritisch, das ist die Kreuzung Bethunestraße bis zum Ruhrtalgymnasium und der Übergang zum Postplatz. Die Hagener Straße durchschneidet die Innenstadt deutlich stärker, zumindest wenn der Marktplatz mit zur Innenstadt gerechnet wird. Der Rückstau der Linksabbieger bei weiterer Öffnung der Hagener Straße würde sich aus Richtung Ruhrtalbrücke an die Kreuzung am Ostentor verlagern. An diesem Rückstau könnte man dann nicht mal eben über die Standspur vorbei fahren, dort ist kein Platz zum Ausweichen.

Dirk Hannè

Dirk Hanné

Allein der Lieferverkehr in diesem Bereich brächte nicht unerhebliche Probleme im Verkehrsfluss. Die Situation ist nicht optimal, aber nach Jahren wohl die einzig sinnvolle. Der in beide Seiten geöffnete Radweg ist schon eine Notlösung. Ebenso die Teilöffnung aus der Mährstraße heraus. Das Maßnahmenkonzept der Stadt sieht hier einen „Shared Space“ vor. Diese Planungsphilosophie soll einen vom KFZ-Verkehr dominierten Straßenraum lebenswerter, sicherer und im Verkehrsfluss optimierter machen. Das entspricht in diesem Fall aber eher einer geplanten Verkehrsverringerung und erscheint mir aufgrund der Straßenbreite nicht erstrebenwert.

Stefan Barthel

Stefan Barthel

Ich verspreche mir davon nicht nur eine verkehrstechnische Entlastung für die Innenstadt, sondern einen deutlich verbesserten Verkehrsfluss insgesamt. Ein Nadelöhr ist aber aus meiner Sicht noch der inoffizielle Fußgängerüberweg an der T-Kreuzung Hagener Straße/Brückstraße. Hier sollte ggf. eine Verlegung der Fußgängerampel geprüft werden.

Adrian Mork

Adrian Mork

Ich kann mir eine Durchlässigkeit der Hagener Straße in beide Richtungen durchaus vorstellen, allerdings nur für Pkw und nach dem Vorbild der Bahnhofstraße verkehrsberuhigt. Lastverkehre lassen sich aus diesem Abschnitt nur dann sicher heraushalten, wenn die Hagener Straße an dieser Stelle den Status einer Landesstraße verliert und stattdessen die Beckestraße zu einer Landesstraße wird. Das wiederum geht nur dann, wenn der Verkehrsknoten B236/Karl-Gerharts-Straße ertüchtigt wird. Das wird im Planverfahren B236 für die Ortsdurchfahrt Schwerte umgesetzt werden. Ich werde mich stark dafür einsetzen, dass der stadtverträgliche Ausbau der B236 so zügig wie möglich umgesetzt wird. Im Übrigen war die Sperrung der Hagener Straße Richtung Westen keine Idee der Verwaltung oder der Politik, sondern wurde seinerzeit vom Einzelhandel angeregt.

Dimitrios Axourgos

Dimitrios Axourgos

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Beseitigung bzw. Verminderung des Verkehrschaos in Schwerte eine der vordringlichen Aufgaben der nächsten Jahre sein muss. Hierzu ist eine neue Verkehrsplanung für die gesamte Stadt nötig. Die Knotenpunkte Bethunestraße/Ostenstraße/Schützenstraße und Bethunestraße/Wittekindstraße sind heute schon stark überlastet. Aus meiner Sicht wäre eine Öffnung der Hagener Straße für beide Richtung eine Möglichkeit der Entlastung. Dies sollte in einem Zeitraum probeweise ermöglicht und die  Auswirkungen dabei untersucht werden. Gleichzeitig muss in diesem Versuch etwa die Kreuzung Hagener Str./Westwall bedacht werden. Diese Insellösung kann eine Gesamtkonzeption natürlich nicht ersetzen.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentare

Comments

  • Marco Kordt, CDU-Fraktionsvorsitzender 4. Februar 2018 at 18:07

    Dimitrios Axourgos, Bürgermeisterkandidat der SPD, hat im Rahmen einer
    Podiumsdiskussion im Grete-Meißner-Zentrum verkündet, dass er ein neues
    Verkehrskonzept für Schwerte plant. In 2016 hat der Rat der Stadt Schwerte,
    nach vielen aufgenommenen Eindrücken der Schwerter Bürgerinnen und Bürger,
    das Mobilitätskonzept 2025 in die Wege geleitet. Dies hätte man wissen können
    wenn man sich ernsthaft um die Stadt Schwerte bemüht oder einfach mal in den
    eigenen Reihen nachgefragt hätte. Die Planung sieht sowohl die Verkehrsführung
    der Schwerter Innenstadt, als auch die Entlastung der Ortsteile vor. Was möchten
    Sie verändern?

    Erneut zu starten bedeutet nicht nur eine höhere finanzielle
    Belastung für die Stadtkasse, sondern schlimmer, eine deutlich längere
    Leidenszeit für die Schwerterinnen und Schwerter. Adrian Mork hat in seiner
    Veranstaltung gezeigt, wie man Optimierungen und neue, sinnvolle Ideen in das
    bestehende Mobilitätskonzept eingliedern kann. Dies bedeutet natürlich deutlich
    mehr persönlichen Einsatz, als mit leeren Phrasen zu werfen.

    Fehlt Ihnen hierfür etwa die Zeit? Schließlich kommen Sie auch noch ihren Verpflichtungen nach,
    außer in Iserlohn, da lassen sie sich bei ihren Wählern nicht mehr sehen.

    Reply
  • Eckehard Weist 4. Februar 2018 at 18:05

    Für die Wähler ist es wichtig, sich über die Eignung der Bürgermeisterkandidaten ein möglichst aussagekräftiges Bild zu verschaffen. Hilfreich können daher Meinungsäußerungen zu bestimmten städtischen Themen sein. Das Thema Hagener Straße ist meines Erachtens hierzu nicht geeignet, da dies erhebliches Detailwissen und Interna voraussetzt. Denn seit dem Jahr 2000 haben sich bereits mehrere Gutachter sowie der Rat der Stadt Schwerte mit einer Lösungsfindung befasst. Bereits 2013 hat die WfS-Fraktion einem Antrag gestellt, das bestimmte Teilstück der Hagener Straße für den Personenverkehr und ÖPVN in beide Richtungen frei zu geben. Hierzu ist allerdings die Zustimmung des Landesbetriebs NRW erforderlich, dessen Auflagen jedoch noch nicht erfüllt werden konnten. Besser wäre es daher, die Kandidaten nach ihren allgemeine Leitzielen bezüglich der zukünftigen Stadtentwicklung unter Angabe konkreter Strategien und Maßnahmen zu befragen.
    Denn politische Visionen ermöglichen Wachstum von Wirtschaft, Bevölkerung und Lebensqualität.

    Reply

Über den Autor