Auf Köpfe kommt es an

Die Verlegung der Ergster Grundschule hält Verwaltung, Politik, Kinder und Eltern in Atem. Unabhängig von der Frage, ob die Verlagerung überhaupt Sinn macht und Geld spart, ist die konkrete Verwirklichung der Umzugspläne aber so richtig in die Hose gegangen. Wer hat´s verbockt. Im Zweifel die Verwaltung. Doch diese Erklärung greift zu kurz.


Schon seit Jahren herrscht im Rathaus im Baubereich personelle Mangelwirtschaft. Mit der Folge, dass Bauvorhaben teurer werden, Kontrolle schwierig ist und Projekte lange in der Planungspipeline schlummern. Die jahrelange Kürzungspolitik hinterlässt somit immer deutlichere Spuren.


Das ewige Stellenstreichen musste schief gehen. Einem Skelett kann eben kein Fett mehr abgesaugt werden. Die einzelnen Fachbereiche bluteten mehr und mehr aus. Die Leute, die blieben, konnten und können trotz Arbeitsverdichtung die Aufgaben in Gänze nicht mehr bewerkstelligen.

Schwerte steht nicht allein. Im gesamten Land herrscht inzwischen ein veritabler Investitionsstau – Krankenhäuser, Straßen, Schulen, Kindergärten, Breitband, überall gibt es Nachholbedarf und für fast alles Geld. Die Bundesregierung hat allein 2015 136 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um die Kommunen zu unterstützen. Bis Ende 2016 wurden lediglich 150 Millionen Euro abgerufen.

Zwischen 1991 und 2010 gingen in den Kommunalverwaltungen 33 Prozent aller Stellen, die sich mit Infrastruktur beschäftigt haben, verloren. Neben dem erheblichen Personalabbau in den deutschen Kommunen sind generell auch die Aufgaben in den Verwaltungen angestiegen – im Vergleich zu 1988 um rund ein Fünftel.

Zurück an die Ruhr. Der Vorschlag der Schwerte SPD, aufgrund der Erfahrungen aus der Vergangenheit für die Bauverwaltung in Zukunft verstärkt auf ein Geschäfts-Prozessmanagement und qualitätsorientiertes Arbeiten zu setzen, ist richtig.  Es muss aber zusätzlich mehr Fachpersonal eingestellt werden. Mit einer weiteren Verschlankung der Verwaltungsabläufe, vertiefenden Qualifizierungsmaßnahmen für das vorhandene Personal sowie mit interkommunalen Kooperationen könnte ein Ausweg aus dem Dilemma gefunden werden. Wenn unter dem Strich diese Erkenntnis und eine Problemlösung steht, dann hätte der Fall Ergster Grundschule mit seinem Umzugschaos wenigstens noch etwas Gutes.

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Kommentare

Comments

  • Wienforth 14. April 2018 at 16:22

    Ich möchte an der Stelle gar nicht nachtreten. Die Situation ist für keinen Beteiligten mehr witzig. Aber sollte man bei Personalmangel und fehlender Fachkompetenz nicht darüber nachdenken, sich diese extern einkaufen? Klar belastet das die Budgets zusätzlich, aber dann laufen die Projekte vermutlich ohne solch enorme Schwierigkeiten. Da wird am falschen Ende gespart, auch wenn man sicher im Besten Sinne versucht, alles richtig zu machen.

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